Vergabeblog

"Der Fachblog des Deutschen Vergabenetzwerks (DVNW)"
Politik und Markt

Der „eVergabe-Adapter“

Domains Lange hat man nichts mehr davon gehört, nun sollen in dieser Woche tatsächlich die Arbeiten an einem zweifellos Maßstäbe setzenden Projekt für die elektronische Vergabe (eVergabe) beginnen: Unter dem Arbeitstitel „Einer für alle“ will subreport Verlag Schawe GmbH, ein Unternehmen, das seit 2001 eine eigene eVergabe-Lösung anbietet, noch dieses Jahr eine als “Adapter” bezeichnete Lösung zur Verfügung stellen, mit der die fast 60 verschiedenen eVergabe-Plattformen in Deutschland zentral, d.h. über einen einzigen, interoperablen Einstieg bieterseitig adressiert werden können – der lang erwartete, universelle Bieterclient.

Ist das Ende des Flickenteppichs eVergabe also tatsächlich in Sicht?

Die Situation

Als im Jahr 2007 zum ersten mal der sog. “Beraterkreis eVergabe” unter Federführung des BMWi in Berlin zusammenkam, um dem zweifellos potentialträchtigen aber immer noch lahmen Gaul eVergabe endlich auf die Sprünge – sprich Akzeptanz – seitens der Bieter zu verhelfen, wurden eine Reihe von Problemen identifiziert. Eines davon war der “Flickenteppich” eVergabe, also die Vielzahl unterschiedlicher Lösungen auf und innerhalb aller Ebenen des Föderal Staates: Vom noch relativ simplen Problem optisch verschiedener Oberflächen über inkompatible Bieterclients und verschiedene technische Voraussetzungen auf Seite der Bieter bis zu verschiedenen Geschäfts- und damit Vergütungsmodellen. Das Ministerium sah sich – völlig zu Recht – hier als nicht zuständig an, würden Maßnahmen auf diesem Gebiet doch in aller Regel einen unzulässigen Markteingriff bedeuten. Interoperabilität zu schaffen ist Aufgabe der Lösungsanbieter.

Was dabei für große, international tätige Konzerne leicht zu schultern und für ausschließlich regional tätige Handwerksbetriebe schlicht egal ist, ist für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ein massives Problem: Der Mittelstand hat weder die personellen noch organisatorischen Ressourcen, sich auf diverse, unterschiedliche eVergabe-Plattformen einzustellen, diese zu bedienen und ggfs. erforderliche Software – samt Integration in deren Warenwirtschaftssysteme – zu pflegen und intern darauf zu schulen.

Fallbeispiel

Ein Beispiel, dass den Flickenteppich eVergabe anschaulich verdeutlicht, ist die Situation in der Region Rhein-Neckar, Mannheim. Im Dreiländereck wurde tatsächlich eine länderübergreifende Lösung eingeführt, mittels derer Bieter nach Ausschreibungen der angeschlossenen Kommunen aus Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz suchen und ihre Angebote elektronisch abgeben können. Jedoch: Diese Plattform und die in den drei Bundesländern auf Landesebene betriebenen eVergabe-Lösungen sind inkompatibel zueinander. Und mehr noch, alle drei Landeslösungen sind, da von verschiedenen Anbietern, ihrerseits inkompatibel zueinander. eVergebens – auf wenigen hundert Quadratkilometern.

Um eines klar zu stellen: Den Lösungsanbietern ist dabei überhaupt kein Vorwurf zu machen – auch Mercedes-Benz produziert schließlich keine BMW kompatiblen Ersatzteile. Aber ganz offenbar hat die Politik, die diese Plattformen anschafft, nur ein rudimentäres Interesse an übergreifenden eVergabe-Lösungen. Schließlich könnte man derlei Kompatibilität ohne weiteres von den Lösungsanbietern einfordern und von deren Seite die Mehrleistung auch mit einem Preisschild versehen. Aber wo keine Nachfrage, da keine Angebote. Eine Vermutung drängt sich dabei leider all zu offensichtlich auf: Naturgemäß bedeutet länderübergreifende eVergabe auch länderübergreifenden Wettbewerb. Genau das scheint aber kein vordringliches politisches Ziel zu sein. Form follows function. Denken Sie mal darüber nach.

Die Lösung?

Während also in den letzten Jahren die Anzahl sog. eVergabe-Plattformen exponentiell wuchs, wuchs mit gleicher Geschwindigkeit die mangelnde Akzeptanz der Bieter. Dieser wurde von Seiten der öffentlichen Auftraggeber mit einer “Pflicht zur Abgabe elektronischer” Angebote begegnet. Nun also soll die Lösung kommen?

subreport entwickelt seinen “eVergabe-Adapter” gemeinsam mit dem renommierten Berliner Fraunhofer-Institut FOKUS. Viel lassen Beide dabei bislang nicht durchblicken: “Unter voller Wahrung des Wettbewerbs der Systeme und ergänzt durch attraktivitätssteigernde Mehrwertdienste wie Möglichkeiten zur Präqualifikation oder Wissensdatenbanken” soll die Lösung daherkommen. Da von einem “Metaportal” die Rede ist, wird es sich wohl um eine rein webbasierte Lösung handeln. Über einen zentralen Einstieg, also eine einheitliche Oberfläche, sollen Bieter Zugang auf unterschiedlichste Plattformen verschiedenster Betreiber erhalten. So erfolge der Download von Vergabeunterlagen über einen zentralen Durchgriff auf die Dokumente der angeschlossenen Plattformen; die jeweiligen Angebote würden an die eVergabeplattformen direkt übergeben. Laut subreport seien damit “die Zeiten endgültig vorbei, in denen sich Bewerber um Öffentliche Aufträge mit einer Vielzahl unterschiedlicher Oberflächen, technischer Vorrausetzungen und Geschäftsmodelle auseinandersetzen mussten”.

Finanziert werden soll das Angebot durch ein kleines zusätzliches Entgelt seitens der Bieter, das bei der Nutzung der Vergabeunterlagen nach dem Pay-per-view-System anfällt. Für die Plattformbetreiber oder Vergabestellen selbst entstünden keine Kosten. Und natürlich ist jeder Bieter frei darin, gleichzeitig weiterhin seine Plattformen direkt zu nutzen.

Edda Peters, subreport-Geschäftsführerin, in einer aktuellen Pressemitteilung: „Ich bin sehr zufrieden, dass wir jetzt starten können. Ein solch anspruchsvolles Projekt braucht viel Vorbereitung und Abstimmung. Das haben wir erfolgreich hinter uns gebracht. Nun geht es an die konkrete Ausgestaltung.“ Laut Subreport wird der “Adapter” dabei jedenfalls von der Cosinex GmbH, beispielsweise Lösungsanbieter für Rheinland-Pfalz, und dem Beschaffungsamt des BMI mit seiner eVergabe-Plattform unterstützt. Fehlen noch z.B. Administration Intelligence, bi-Ausschreibungsdienste, Healy Hudson, RIB und Vergabe24 als wesentliche Player. Vielleicht sind diese aber auch schon mit im Boot.

Spannend wird vor allem werden, ob es subreport gelingt, damit auch wieder die Bieter mit an Bord zu holen. Man kann es ihnen nur wünschen.

Mehr Informationen über den Autor Marco Junk finden Sie im Autorenverzeichnis.

Marco Junk

Über Marco Junk

RA Marco Junk gründete im Jahr 2007 den Vergabeblog, das heute meist gelesene Medium zu Vergaberecht und -Praxis, und 2010 gemeinsam mit Dipl.-Betriebsw. Martin Mündlein das Deutsche Vergabenetzwerk (DVNW). Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, danach bis 2011 Bereichsleiter Vergaberecht beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) und leitete im Jahr 2011 die Online-Redaktion des Verlags C.H. Beck. Von 2012 bis 10/2014 war er Mitglied der Geschäftsleitung des BITKOM. Seit 2015 ist Marco Junk Geschäftsführer des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. Seine Beiträge geben ausschließlich seine persönliche Meinung wieder.

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