Vergabeblog

"Der Fachblog des Deutschen Vergabenetzwerks (DVNW)"
Politik und Markt

EU-Verteidigungsfonds startet mit 1,2 Milliarden Euro

Für technologische Souveränität und strategische Autonomie: Die EU-Kommission hat am Mittwoch das Arbeitsprogramm für 2021 für den Europäischen Verteidigungsfonds angenommen. Damit können 23 Ausschreibungen für kooperative Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Höhe von insgesamt 1,2 Mrd. Euro veröffentlicht werden. Außerdem werden 26 neue Projekte im Rahmen des Europäischen Programms zur industriellen Entwicklung im Verteidigungsbereich (EDIDP) mit insgesamt 158 Mio. Euro unterstützt. Zudem erhalten zwei große Projekte zu europäischen ferngesteuerten Flugsystemen, auch als Eurodrone bekannt, sowie zu gesicherter software-definierter Funktechnik insgesamt 137 Mio. Euro im Rahmen des EDIDP.

„Durch seinen Schwerpunkt auf Innovation und neu entstehende Technologien und einen inklusiven Ansatz spielt der Europäische Verteidigungsfonds nun eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, den Beitrag unserer innovativsten KMU zu einer florierenden Verteidigungsindustrie und eine verstärkte grenzüberschreitende industrielle Zusammenarbeit zu fördern und sich den europäischen Lieferketten anzuschließen“, sagte Margrethe Vestager, die für das Ressort „Ein Europa für das digitale Zeitalter“ zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin.

„Dies wird die Wettbewerbsfähigkeit der EU fördern und zur Verwirklichung der digitalen Ambitionen der EU beitragen. Die Ergebnisse des EDIDP, die mit einer erheblichen Beteiligung von KMU in der gesamten EU erzielt wurden, beweisen, dass das Schaffen von Möglichkeiten für Unternehmen jeder Größe der richtige Weg zu Innovation und Spitzenleistungen ist. Dass 30 Prozent der Mittel an KMU fließen, ist ein sehr vielversprechender Auftakt.“

„Mit der Verwirklichung des Europäischen Verteidigungsfonds verfügt Europa über ein leistungsfähiges Instrument zum Aufbau von technologischer Souveränität und strategischer Autonomie im Verteidigungsbereich“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton. Wir müssen für seine rasche Umsetzung sorgen, um die globale Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit unserer Verteidigungsindustrie zu erhalten.

Das Arbeitsprogramm für den Europäischen Verteidigungsfonds für 2021

Im ersten Jahr des Europäischen Verteidigungsfonds steht die Kofinanzierung großer und komplexer Projekte auf dem Programm. Innovationen sollen vorangetrieben werden. Zur Finanzierung dieses Auftakts für den Fonds wurde der Haushalt des Europäischen Verteidigungsfonds für 2021 (930 Mio. Euro) mit 290 Mio. Euro aus dem Haushalt des Europäischen Verteidigungsfonds für 2022 aufgestockt.

Um die Fragmentierung des EU-Binnenmarkts zu verringern, die Wettbewerbsfähigkeit der Verteidigungsindustrie der EU zu stärken und die Interoperabilität von Verteidigungsgütern und -technologien zu verbessern, wird das Arbeitsprogramm für den Europäischen Verteidigungsfonds für 2021 eine Reihe groß angelegter Projekte zur Fähigkeitenentwicklung und Normung verwalten. Der Schwerpunkt wird auf Bereichen wie Kampfsysteme der nächsten Generation, Bodenfahrzeugflotte, digitale und modulare Schiffe und Abwehr ballistischer Flugkörper liegen.

Darüber hinaus werden gezielte Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen zu disruptiven Technologien und für KMU veröffentlicht, um bahnbrechende Innovationen im Verteidigungsbereich zu fördern und das Potenzial nicht traditioneller KMU und Start-up-Unternehmen zu nutzen.

Ergebnisse des EDIDP-Zyklus 2020: 26 neue Projekte und 2 Direktvergaben

Der letzte Finanzierungszyklus des EDIDP führte zu Vergaben zu mehreren neuen Verteidigungsfähigkeiten in so unterschiedlichen und komplementären Bereichen wie maritime Sicherheit, Cyberlageerfassung sowie Boden- und Luftkampf.

Insbesondere wurden 26 neue Projekte mit einem Budget von mehr als 158 Mio. Euro für eine Finanzierung ausgewählt, wobei der Schwerpunkt auf Überwachungskapazitäten (sowohl weltraumgestützte als auch maritime Kapazitäten), Resilienz (chemische, biologische, radiologische und nukleare Erkennung, Abwehr unbemannter Systeme) und Hochleistungskapazitäten (Präzisionsschläge, Bodenkampf, Luftkampf) lag.

Darüber hinaus wurden zwei großen Projekten zur Fähigkeiten-Entwicklung angesichts ihrer strategischen Bedeutung Finanzhilfen in Höhe von insgesamt 137 Mio. Euro im Rahmen des EDIDP zugewiesen. Dazu gehören:

Europäische ferngesteuerte Flugsysteme für mittlere Flughöhen und große Flugdauer (MALE RPAS), die auch als Eurodrone bekannt sind, zur Unterstützung der Entwicklung einer Drohne für mittlere Flughöhen und große Flugdauer (100 Mio. Euro). Zusammen mit anderen ausgewählten Projekten zur Förderung der Nutzlast für taktische Drohnen, Schwärme von Drohnen, Sensoren und schwer beobachtbare taktische Systeme werden mehr als 135 Mio. Euro in den Aufbau der technologischen Souveränität im Bereich Drohnen investiert, einen strategischen Vermögenswert für die Streitkräfte der EU;

ESSOR, die europäische gesicherte software-definierte Funktechnik (37 Mio. Euro), zur Verbesserung der Interoperabilität der Streitkräfte der EU durch die Schaffung einer europäischen Normung für Kommunikationstechnologien (Software-Funk). Zusammen mit anderen Projekten, die zur Unterstützung einer sicheren und resilienten Kommunikation (unter Einsatz von Quantenschlüsselverteilung) ausgewählt wurden, sowie der optischen Kommunikation zwischen militärischen Plattformen und Lösungen für taktische Netze werden mehr als 48 Mio. Euro in sichere Kommunikationssysteme investiert.

Hintergrund

Der Europäische Verteidigungsfonds ist das Leitinstrument der Union zur Unterstützung der Verteidigungszusammenarbeit in Europa und ein Trittbrett für die strategische Autonomie der EU. Der Fonds ergänzt die Bemühungen der Mitgliedstaaten und fördert die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen jeder Größe und Forschungsakteuren in der gesamten EU. Von der Mittelausstattung von 7,953 Mrd. Euro zu jeweiligen Preisen wird etwa ein Drittel wettbewerbsorientierte und kooperative Forschungsprojekte finanzieren, insbesondere durch Finanzhilfen, und zwei Drittel werden die Investitionen der Mitgliedstaaten ergänzen, indem sie die Kosten für die Entwicklung der Verteidigungsfähigkeiten nach der Forschungsphase kofinanzieren.

Wettbewerbsorientierte und kooperative Verteidigungsprojekte werden durch den Fonds über den gesamten Zyklus von Forschung und Entwicklung unterstützt, wobei der Schwerpunkt auf Projekten liegt, die auf interoperable Verteidigungstechnologien und -ausrüstung ausgerichtet sind, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen und für die Streitkräfte der Mitgliedstaaten von entscheidendem Nutzen sein können.

Es gibt zwei Vorläuferprogramme des Europäischen Verteidigungsfonds, das Europäische Programm zur industriellen Entwicklung im Verteidigungsbereich (EDIDP) mit einer Mittelausstattung von 500 Mio. Euro für den Zeitraum 2019-2020 und die vorbereitende Maßnahme im Bereich Verteidigungsforschung (PADR), die für den Zeitraum 2017-2019 mit 90 Mio. Euro ausgestattet war. Ihr Ziel ähnelte dem des Europäischen Verteidigungsfonds, da sie eine innovative und wettbewerbsfähige verteidigungstechnologische und -industrielle Basis fördern und einen Beitrag zur strategischen Autonomie der EU leisten sollten. Die PADR deckte die Forschungsphase von Verteidigungsgütern, einschließlich disruptiver Technologien, ab, während mit dem EDIDP Verbundprojekte im Zusammenhang mit der Entwicklung – von der Planung bis hin zu Prototypen –unterstützt wurden.

Quelle: EU Kommission

Teilen
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Loading...
dvnwlogoArtikel im Deutschen Vergabenetzwerk (DVNW) diskutieren.
Druckansicht Druckansicht

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

Förderer & Regionalgruppen-Partner

Blogs & Juraforum