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Von der Leyen verteidigt gemeinsame EU-Impfstoffbeschaffung

In einem gestern (Donnerstag) veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die gemeinsame europäische Impfstoffbeschaffung gegen Kritik verteidigt. Alle 27 EU-Staaten, ob klein oder groß, hätten Zugang zu einem sicheren Impfstoff. „Wir haben auf die richtigen Impfstoffe gesetzt und massiv investiert. Drei von diesen Impfstoffen sind schon zugelassen, zwei weitere dürften bald hinzukommen.“ Zu einem Zeitpunkt, als die USA noch komplett ausfielen, habe Europa zudem die globale Impf-Initiative COVAX vorangebracht. Das eigentliche Drama sei, dass bisher vier von fünf Staaten auf der Welt noch gar keinen Impfstoff haben. „Wir haben alle unterschätzt, was es für die Industrie bedeutet, aus dem Stand eine komplexe Massenproduktion hochzufahren“, sagte von der Leyen. Sonst hätte sie schon im Herbst gewarnt, dass es noch Monate brauchen könne, bis Impfstoff in großen Mengen verfügbar sei.

Sie verfolge die Debatte in Deutschland sehr genau, erklärte von der Leyen. „Daher weiß ich auch, dass sie anders verläuft als die Debatte in den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten.“ Während in der ersten Januarwoche die meisten EU-Staaten froh waren, überhaupt einen Impfstoff zu bekommen, sei in Deutschland und Dänemark darüber diskutiert worden, dass die gemeinsame Beschaffung ein Fehlschlag sei. „Und das stimmt beileibe nicht“, bekräftigte von der Leyen.

EU ist der größte Abnehmer von BioNTech

Die Kommissionspräsidentin widersprach dem Vorwurf, die EU habe zu spät und zu wenig Impfstoff bestellt. „Die USA haben bei BioN-Tech bis zum heutigen Tag 300 Millionen Dosen bestellt, davon 100 Millionen erst vergangenen Woche“, betonte sie. Die EU-Kommission hat bisher bis zu 600 Millionen Dosen des BioN-Tech/Pfizer-Impfstoffes für die EU-Staaten gesichert. „Vergessen Sie nicht, die EU ist der weltweit größte Kunde von BioNTech.“

Vertreter von Pharmaunternehmen wie BioNTech und Merck hatten jüngst in Zeitungsinterviews betont, dass auch bei größeren Anfangsbestellungen jetzt nicht mehr hätte geliefert werden können. „Die aktuellen Engpässe rühren daher, dass die Produktion des Impfstoffs hoch kompliziert und anfangs selten stabil ist“, sagte von der Leyen. „Rohstoffe sind knapp, Lieferketten für die völlig neue mRNA-Technologien müssen sich etablieren. Dazu kommt: Es geht um Substanzen, die derzeit auf der ganzen Welt extrem nachgefragt sind.“

Sorgfalt vor Schnelligkeit

Es stimme, Großbritannien habe vier Wochen eher mit der Impfung angefangen, sagte von der Leyen. „Der Grund: Die Regierung hat bei komplett neuen Impfstoffen mit einer Notzulassung gearbeitet. Das ist schneller, aber auch mit vollem Risiko verbunden. Genauso wie das Hinauszögern der zweiten Impfung gegen den Rat vieler Fachleute.“

Die Kommissionspräsidentin betonte: „Wir sind mit den Mitgliedstaaten den sorgfältigen Weg gegangen, weil wir beim Gesundheitsschutz keine Abstriche machen wollen.“

EU hat COVAX vorangetrieben

Parallel zu den Impfstoffverhandlungen habe die EU im vergangenen Jahr zudem die internationale Impf-Initiative COVAX vorangetrieben. „85 Prozent der Staaten weltweit haben noch überhaupt keinen Impfstoff, das ist zurzeit global das eigentliche Drama – wenn man mal über Deutschland und Europa hinausblickt“, sagte die Kommissionspräsidentin. „Auch in Europa hilft es doch niemandem, wenn wir alle durchgeimpft sind und die Mutationen dann aus Afrika zu uns kommen, weil es dort an Impfstoffen fehlt.“ Die ersten Chargen über COVAX werden nun noch im Februar ausgeliefert. „Darüber sind wir sehr froh.“

EU rüstet sich gegen Mutanten und künftige Pandemien

Die Europäische Union habe Lehren aus ihrer Krisenreaktionsfähigkeit in der Coronavirus-Pandemie gezogen, sagte von der Leyen mit Blick auf die am Mittwoch vorgestellten Maßnahmen, mit denen Europa den Kampf gegen Virusvarianten verstärken und sich besser gegen künftige Pandemien wappnen will. So soll das Zulassungsverfahren für auf die Virus-Mutanten angepassten Impfstoffe verkürzt werden. „Wir vernetzen jetzt im Programm „Hera-Inkubator“ Wissenschaft, Medizin, Pharmaindustrie und Behörden aus ganz Europa, um künftig schneller agieren zu können“, betonte die Kommissionspräsidentin.

Über COVID19 hinaus stelle die Pandemie die europäische Politik vor grundsätzliche Fragen. „Auch wenn der Kampf gegen diesen Pandemie aktuell alles in den Schatten stellt, müssen wir uns parallel der größeren ökologischen Krise dahinter stellen“, sagte von der Leyen. Die EU-Kommission treibe den europäischen Grünen Deal weiter voran.

„Ein wichtiger Teil ist der Erhalt der Artenvielfalt. Wenn die Welt sich dieses Jahr bei der UN-Konferenz zur Biodiversität in Kunming trifft, dann muss ein ähnlicher Durchbruch gelingen, wie es beim Pariser Abkommen zum Klimaschutz geglückt ist. Diese Pandemie ist eine Fanal für die Welt“, sagte von der Leyen.

Quelle: EU Kommission

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